NBA 2k15 – Ein bisschen Balla-Balla.

Es war mal wieder soweit: Nach einem Päuschen (die anderen Mitglieder unseres Ensembles müssen – so sagt man mir zumindest – schließlich auch mal dran sein) gab es endlich wieder eine Spielekritik von mir. Dabei leider nicht unbedingt ein Paradebeispiel, denn eigentlich könnte man den Kommentar zu 2K Sports’ neuestem Spross in der Basketball-Spieleserie schon mit seinem ersten Satz zusammen fassen: Jedes Jahr das gleiche Spielchen. Denn im Grunde hat man das alles schon mal so gesehen. Irgendwie

 

Los geht's in die neue Saison!

Los geht’s in die neue Saison!

Aber hey: Neues Jahr, neuer Start. Wo kämen wir hin, wenn wir alle Dinge stets nach ihrer Vorgeschichte bewerten würden? Leute wie Tim Schafer hätten da schon lange keinen Fuß mehr in der Spielebranche – und darüber wollen wir lieber nicht nachdenken. Demnach: Frisch auf, mal sehen was der Neue drauf hat. Immerhin – und das ist schließlich neu – spendierte 2K der PC-Version erstmals das “NextGen”-Featureset, preist es gar als “fully featured Next Generation experience” (etwa im Steamstore) an. Soviel vorab: Recht haben sie, nur sehr, sehr pingelige Leute würden hier von einer (kleinen) Lüge sprechen. Pingelige Leute wie ich.

 

Denn alle Features hat das Spiel dann doch nicht: Ja, die fesche, aufgemotzte Grafik ist mit von der Partie, die neuen Änderungen an den Spielmodi auch. Aber die Funktion, dem digitalen Spieler mit einem Abbild zum personalisierten Gesicht zu verhelfen, fehlt leider – unverständlich, immerhin sind Webcams gerade bei Heimrechnern weit verbreitet. Vermutlich ein Support-Problem, weil man nicht die Kompatibilität zu mehreren tausend unterschiedlichen Kameramodellen gewährleisten konnte oder wollte. Ist aber vielleicht besser so. Trotzdem schade, dass darauf nicht hingewiesen wird. Und ja: Pingelig. Trotzdem. Ätsch.

Netter Bart. Grafikfehler, mittlerweile glücklicherweise gefixt.

Rechts: Netter Bart. Links: Nette Frisur.
Grafikfehler, mittlerweile zum Glück gefixt.

Apropos “aufgemotzte Grafik”: Nach anfänglichen Problemen (Texturlose Spielfiguren, abgedrehte Farbfehler, Über- oder Unterbelichtung, Textur-swaps uvm. , insbesondere auf nVidia-Karten), mittlerweile durch Patches größtenteils behoben, kann sich die visuelle Präsentation dann doch wirklich sehen und den gewünschten “NextGen”-Look verspüren lassen. Sie kann also, wie im Journal-Kommentar angedeutet, durchaus durch nochmals gestiegene Detailverliebtheit punkten – besonders aus einer typischen Wohnzimmer-Entfernung zum Schirm lässt sich das bewegte Geschehen, gezoomte Nahaufnahmen ausgenommen, durchaus mit einem echten Basketballspiel verwechseln. Das erste Ziel, eine möglichst detailgetreue Simulation zu bieten, wäre damit erfüllt. Gleichzeitig zeigt sich das Spiel recht genügsam: Selbst auf einem nicht gerade für Grafikleistung gerühmten Notebook läuft es in akzeptablen Einstellungen flüssig. Next Gen? Es reichen auch schon mittelmäßige Rechner locker.

Punkte für den Punktegott!

Punkte für den Punktegott!

Größtes Zugpferd stellt sicherlich die Einzelspielerkampagne dar, die seit 2k11 Teil des Gesamtpakets ist: Hier erstellt man sich einen Spieler nach dem eigenen Vorbild, besetzt eine Position, kämpft sich nach oben und begeht so den ruhmreichen Weg zum Superstar. Klingt cool? Ist es auch – in der Regel zumindest. Die NextGen-Variante der Kampagne ist um etliche Videosequenzen bereichert, die eine klare Story erzählen: Vom totalen Underdog, der nicht einmal von einem der großen Teams der NBA als Aufbauspieler gedraftet wird, muss sich der Spieler durch konsequente Leistung immer aufs Neue beweisen. Für Erfolge gibt es Punkte, die in Verbesserungen gesteckt werden können, bei schlechten Leistungen gibt es Abzüge – am Ende droht der Rauswurf, die Relegation in die zweite Liga oder die “unterste Schublade”, das Spielen in der Europäischen Liga. Zwischendurch gibt es in einigen Passagen eine Entscheidung zu treffen: Opfert man ein paar dieser wertvollen Punkte, um dem alten Universitäts-Team eine neue Halle zu spendieren? Wie verhält man sich im Gespräch mit dem Manager? Mögen die Teammitglieder den Neuling, wenn er gleich mal hochnäsig antwortet? Kleine RPG-Elemente, die die Geschichte bereichern, aber nicht mehr so oft auftreten wie die Pressekonferenzen nach dem Spiel in den Vorgängern.

Darüber hinaus bietet der Titel trotz dem fehlenden Kamera-Tool mehr als genügend Möglichkeiten, die Spielfigur möglichst akkurat an das eigene Aussehen anzupassen: Mehr als zwanzig Regler allein für Gesichtsproportionen, hunderte Haar- und Bart-Kombinationen, Augen- und Hautfarben – NBA 2k15 bietet viel. Wen das nicht juckt, der kann beherzt zu einem vorgefertigten Gesicht greifen, von denen es auch mehrere gibt. Eine riesige Auswahl an Kleidungsstücken und Schuhen rundet das überwältigende Angebot an Personalisierungsmöglichkeiten ab. Das Tolle dabei: Man kann damit natürlich nicht nur sich selbst digitalisieren, auch frei erfundene Spieler oder alte Helden lassen sich damit nachahmen. Hier hat 2K nochmal nachgebessert, mehr Optionen sind immer gut. Dass dabei der “Rivale” aus dem Vorjahresspiel scheinbar Flöten geht, ist verkraftbar: Die Mechanik war irgendwie unausgereift, sorgte für unnötiges, künstliches Drama.

Besonders im Halfcourt offenbaren sich Schwächen.

Besonders im Halfcourt offenbaren sich Schwächen.

Licht und Schatten” – der Zwischentitel war angebracht. Warum? Weil trotz all der Detailverliebtheit doch viel fehlt. Das fängt an mit scheinbar trivialen Dingen wie den “Klassiker”-Teams: Boten die Vorgänger noch eine große Auswahl an Teams aus unterschiedlichen Zeitperioden, um klassische Spiele neu aufleben zu lassen, scheint 2K hier einen kleinen Rückzieher gemacht zu haben. Eventuell aufgrund fehlender Lizenzen, die die Abbildung von älteren Superstars verbieten. Aber ärgerlich ist es dennoch. So gibt es beispielsweise nur ein Team nach der Jahrtausendwende, in den Neunzigern sucht man vergebens nach Abwechslung und 1995 gab es scheinbar keine Teams im Westen, in den späten Siebzigern keine Teams im Osten: Wer nicht gerade auf Finals-Rematches der Chicago Bulls oder eine Runde Bill Russel gegen Wilt Chamberlain scharf ist, schaut in die Röhre. Sehr ärgerlich, boten doch Vorgänger etwa das bekannte Dream Team von 1992 und generell mehr Auswahl unabhängig von Zeitperioden. Auf diese Weise ist man leider darauf angewiesen, dass andere Nutzer unter großem Zeitaufwand einzelne Teams nachstellen und für die Nutzung hochladen – für Spieler am PC sicher eine Option, für Konsolennutzer ein Graus.

Aber auch darüber hinaus gibt es viel zu meckern: Die KI ist, wie schon in den Vorgängern, keineswegs unfähig, schafft es aber nur mit absoluter Mühe, eine brauchbare Verteidigungsstrategie zu liefern. Besonders vom Perimeter treffen viele Würfe, Volume-Werfer profitieren inflationär. Besonders stark fällt dieses Problem auf, wenn der Spieler selbst nicht Hand anlegt, sondern einen der “großen Jungs” unter dem Korb spielt: Dann gibt es plötzlich kaum Rebounds zu fangen – jeder Schuss ein Treffer – und auch sonst kaum etwas zu tun, ausser gelegentlich den ein oder anderen Zug zum Korb zu blocken. Auch Änderungen an den Spieleinstellungen (von “Normal” auf “Simulation” etwa) bringen kaum Verbesserungen. Matches, selbst unter defensiv starken Teams, verkommen oft zu rapiden Punkteorgien und fallen regelmässig viel höher aus, als dies realistisch der Fall wäre. Den Ansprüchen einer Simulation wird hier jedenfalls nicht Genüge getan, wenn jedes zweite Spiel fast wie ein All-Star-Matchup endet. Sicher: Hohe Punktzahlen, spektakuläre Dunks, perfekte Spiele: All das ist spaßig und macht Laune, besonders mit einem Freund zu zweit – wer aber auf der Suche nach einem völlig realistischen Gameplay ist, zieht hier den Kürzeren.

Dementsprechend gestaltet sich der Weg zum Ruhm, je nach Spielposition, auch schon fast zu einfach: Wer sich geschickt anlegt und mit ein bisschen Glück in einem Team landet, das einen motivierten Ersatzspieler dringend nötig hat, der kann schon nach wenigen Wochen in der Liga im Startaufgebot seines Teams stehen, haufenweise Punkte einfahren und spätestens am Ende der Saison als einer der großen Stars der Liga gefeiert werden.  Das wirklich Ärgerliche daran ist, dass diese Fehler keineswegs neu sind: Wie schon die defensiven Lücken der KI ist auch der schon fast zu schnelle Aufstieg in den Basketball-Olymp ein wesentliches Problem der Serie, das auch nach mehreren Auflagen scheinbar immer noch nicht gebändigt werden konnte. Unterm Strich bleibt also ein typisches Sportspiel: Alljährliche Routine mit einigen Verschlimmbesserungen. Vielleicht klappt’s beim nächsten Versuch ja mal mit neuen Features.

 

 

 

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