Archive for December 2010

NBA 2k11 (X360, PS3, PC (reviewed), Wii, PSP, PS2 )

December 16, 2010

Der Basketballsport ist schon seit geraumer Zeit kein Phänomen der Vereinigten Staaten mehr und hat mittlerweile auch jenseits des großen Teiches mehrere interessierte Anhänger gewonnen. So mutet es nicht seltsam an, dass sich der Sport auch in dem Genre des Sportspiels schon längere Zeit fest etabliert hat, wobei der Anspruch auf Realismus je nach Spiel immer anders ausgedrückt wurde – Das Spektrum reichte vom völlig durchgeknallten arcadelastigen Titel NBA JAM bis hin zu den starken Simulationen NBA Live und, seit einigen Jahren, auch derNBA 2K-Serie. Dieses Jahr wurde die Version von NBA Live leider aus qualitätssichernden Gründen nicht veröffentlicht, womit der Titel von 2K Sports sich allein auf weiter Flur vorfindet. Wie aber schlägt sich der größte Fisch im kleinen Teich?

I’m chasing perfection

 


Der Realismus-Anspruch von NBA 2k11 ist enorm hoch – Gesteuert mit einem Gamepad bewegen sich die Spieler möglichst realitätsnah über das auf Hochglanz polierte Parkett, springen und ducken sich auf natürliche Art und Weise und können auch andere Figuren körperlich blocken. Seltsame Bewegungen oder Clipping-Probleme tauchen keine auf, alle Figuren und Bewegungsabläufe wurden mit größter Präzision animiert, wodurch im Spielgeschehen keine unliebsamen visuellen Ausrutscher passieren. Dass während dem gesamten Spiel alle bestehenden Regeln des Basketballsports korrekt eingehalten werden versteht sich dabei von selbst. Doch nicht nur die Präsentation ist auf Realismus getrimmt; Auch das Gameplay ist enorm umfangreich und anspruchsvoll und gestaltet sich bisweilen sogar richtig kompliziert – Eine ausgeklügelte Steuerung macht es möglich. Sprungwürfe etwa sind nicht einfach nur mit einem simplen Knopfdruck abgefertigt. Bei einem Wurf muss der richtige Zeitpunkt zwischen dem Sprung und dem Abwurf abgewartet werden, um die Trefferchancen zu erhöhen – Wie in Echt eben, immerhin muss der Spieler auch den Korb anvisieren. Ein cleveres Pass- und Verteidigungssystem sowie eine enorm fähige künstliche Intelligenz besorgen den Rest um aus der Spielerfahrung eine möglichst realistisches Ergebnis zu formen.

One lucky shot deserves another.

 

Aber nicht nur die spielerische Präsentation ist auf Realismus getrimmt. Auch die Grafik und der Sound wissen absolut zu überzeugen: Realistische Spielergesichter, schöne Stadien, reflektierende Parkettböden, wehender Stoff, Bewegungsunschärfe… Auf alles wurde geachtet. Selbst die verschiedenen Körperbemalungen der Spieler wurden aus der realen Welt übernommen und sorgen gemeinsam mit dem ultimativen Detail, schwitzenden Athleten, für das letzte Quentchen Realismus. Der Sound kann ebenfalls auf ganzer Linie punkten: Spielergemurmel, Fan-geschrei und Kommentar sind allesamt von höchster Qualität. Für den Kommentar sorgen Bob Fitzgerald und Rod Brooks, zwei Radiolegenden aus San Francisco. Der Gesamteindruck kann dadurch einen klaren Punktsieg verbuchen: Die entsprechende Hardware (oder Konsole) vorausgesetzt könnten die Spielszenen den Sportnachrichten entsprungen sein. Einzig die leicht Plastik-ähnlichen Hauttexturen und die etwas schwachen Mundanimationen trüben den Eindruck. Im Spielverlauf fallen solche Details aber gar nicht auf, lediglich die Nahaufnahmen der Widerholungen verlieren so etwas von ihrem Charme. Apropos Hardware: Die getestete PC-Version sah zwar enorm gut aus, aber auch die moderaten Einstellungen sind immer noch sehr hübsch anzusehen. Der Hardwarehunger hällt sich indes in jeder Einstellung stark in Grenzen, wohl auch aufgrund der Paralellentwicklung mit der modernen Konsolengeneration.

 

I can accept failure, everyone fails at something. But I can’t accept not trying.

 

Auch abseits des Parketts bietet NBA 2k11 viel: Wie im Vorgänger aktualisiert sich die Spieler-database täglich neu, eine aktive Internetverbindung vorausgesetzt. Auch die Spiele des Tages werden angezeigt und als Sofort-spiel angeboten. Ausgebaut wurde auch der im Vorgänger eingeführte “My Player”-Modus, bei dem ein eigener Avatar erstellt werden kann, der sich über die Vorsaison in einer Talentschmiede über das NBA-Draft die Chance auf einen Platz in einem Team erspielen kann. In diesem Spielmodus steuert man nur sich selbst und gewinnt Erfahrungspunkte für korrektes Verhalten auf dem Spielfeld. Grobe Patzer wie etwa eine schlechte Verteidigung werden hingegen mit Punkteabzug gestraft. Hier kommt die meiste Langzeitmotivation auf, da sich der erstellte Avatar immer unterschiedlich entwickelt und stets in anderen Teams landen kann.

Neu dazu gekommen ist der Modus der Jordan Challenges : Hier werden 10 berühmte Spiele in der Laufbahn der NBA-Legende nachgespielt, mitsamt Original-Kader und -Verletzungen. Bei diesen Spielen gilt es, besondere Ziele wie etwa 40 Punkte, 12 Assists oder eine fehlerlose Quote von der Freiwurflinie zu erreichen. Dieser Spielmodus ist vor allem für Kenner und Liebhaber des Sports ein wahres Schmankerl, frischt er doch einige bereits leicht vergessene Erinnerungen wieder auf.

 

Insgesamt gilt eigentlich nur eins zu beachten: Wer sich für den Basketballsport auch nur ansatzweise begeistern kann, für den könnte sich ein Blick auf dieses Juwel durchaus lohnen. Eine starke Lizenz, starke Neuerungen gegenüber dem Vorgänger und eine enorm überzeugende Präsentation machen aus NBA 2K11 eines der besseren jährlich veröffentlichten Sportspiele.

Just play. Have fun. Enjoy the game.

Eine kleine Textanalyse

December 15, 2010

Laut der aktuellen Pisa Studie sind ja bekanntlich die Luxemburgischen Schüler, was das Leseverständnis angeht, wieder im Hintertreffen. Um dieser Tendenz entgegen zu wirken ist es die Pflicht eines jeden Bloggers, mit gutem Beispiel voran zu gehen, und einmal durch zu gehen, wie so eine Textanalyse funktionieren kann. Schauen wir uns also das folgende Dokument, das sich hier unter virtuell Welt befindet, einmal genauer an:

Zunächst sollte die Dokumentart fest gestellt werden. Das ist hier relativ leicht, die erste Zeile verrät bereits dass es sich hierbei um eine Pressemitteilung handelt. Die AutorIn wird nicht namentlich genannt, aber Radio 100,7 ist der Auftraggeber. Aufgabe einer Pressemitteilung ist, wie der Name sagt, die Presse zu informieren, damit diese wiederum die Zielgruppe (LeserInnen, ZuschauerInnen, HörerInnen und so weiter) möglichst konkret informiert.

 

Nach einigen kurzen Zeitangaben folgt die Überschrift, welche den LeserInnen das Thema näher bringen soll. „Die virtuelle Welt der Computerspiele“ steht dort, im hübschesten Gelb. Hier mag die eine oder andere LeserIn eventuell stutzen: ‘Virtuelle Welt der Computerspiele’? Sind denn nicht alle Welten, die ein Computer (geschweige denn ein Computerspiel) generiert primär virtuell? Nach einem kurzen Kopfschütteln mag man sich eventuell darauf besinnen, dass dort mehr dahinter steckt. Weiterlesen!

 

„Vill Leit verléiere sech am virtuellen Universum vun de Computerspiller, vernoléissegen hiert soziaalt Ëmfeld, d’Schoul oder d’Aarbecht a liewe just nach an dëser Phantasie-Welt.”

 

Liebe Leser, ich weiß nicht was ihnen beim Aufsatzschreiben in der Schule beigebracht wurde, aber mit ‘Viele Leute’ würde ich persönlich keine Sätze anfangen, schon gar nicht eine Argumentationskette. Wer bitte sind denn ‘Viele Leute’? Reden wir hier von Schülern? Arbeitslosen? Studenten? Hundeliebhabern? Verwirrend, bleibt doch nur fest zu halten, dass es anscheinend ‘Viele Leute’ gibt, die bestimmt ganz viel tun.

 

Die Welt hat sich übrigens mittlerweile, vollkommen unverhofft, zum Universum gemausert. Merkwürdig, Superlative gehören doch in die Überschrift? Außerdem fällt auf, dass dieser erster Satz schon einmal sofort, mehr oder minder polarisierend, eine ganz spezifische Position ein nimmt. Keine Begriffserklärung oder Einführung in das generelle Thema findet statt, eine erste Stellungnahme gegenüber dem Thema wird schon einmal vorweg geschickt. Bei einer Dissertation gäbe das schon einmal prompt eine gefürchtete ‘Datz’.

 

„Verschiddener kafe souguer virtuell Objeten.“

 

Dieses niedliche Anhängsel von einem Satz, soll vermutlich noch eine Steigerung des vorherigen darstellen. ‘Verschiedene’ ist übrigens ein ganz tolles Synonym für ‘Viele Leute’ und zeugt von umfassenden Kenntnissen, die auf weitreichenden sozilogischen und statistischen Forschungen fußen. Es scheint als sollte dies, gegenüber des ersten Satzes, eine Apotheose des Schocks darstellen! Dummerweise hat die AutorIn vergessen zu erwähnen, wieso der digitale Erwerb virtueller Güter in Zeiten von iTunes, Steam und Amazon einen solchen Sündenfall darstellt.

 

„Am Kader vum Thema vum Mount Dezember um radio 100,7 “Fantastesch Welten”, steet de Méindeg, 20. Dezember um 09:05 an 19:03 déi virtuell Welt vun de Computerspiller am Mëttelpunkt:“

 

Da ist ja unsere Einführung! Hat uns ein Zeilensprung etwa einen Streich gespielt? So schnell hat man sich getäuscht… Der Doppelpunkt deutet darauf hin, dass die These, beziehungsweise Fragestellung, nun folgt.

 

„Wat ass esou faszinant un online Rollespiller a wat kann esou spannend un dësem eigentlech langweilege Medium sinn?“

 

Jetzt herrscht natürlich grundsätzliche Verwirrung, und das ist eigentlich ganz schlecht für ein Dokument, was kurz und knapp informieren sollte. Bis hierhin ist die Leserin dem Schein verfallen, hier würde über Computerspiele im Allgemeinen geredet werden. Der Gedankensprung, dass es hier ausschließlich um Online-Rollenspiele, also um ein sehr spezifisches Genre innerhalb des Mediums geht, wird nicht erläutert oder erklärt. Die AutorIn muss zudem Probleme haben, die Begriffe ‘Genre’ und ‘Medium’ klar auseinander zu halten. Ein Medium ist eine Plattform der Informationsübertragung. Zeitung, Radio, Buch und Film, das sind die sogenannten traditionellen Medien. Das Internet und Videospiele sind hingegen ‘Neue’ Medien. Online-Rollenspiele sind eine Unterkategorie von Computerspielen, also nicht ein eigenes Medium, da sie sich im Ganzen nicht wesentlich vom modernen Videospiel unterscheiden. Ein Krimi ist ja auch ‘nur’ ein genre von Literatur oder Film, und nicht ein Medium. Hinzu kommt, dass dieses Medium (Lies: Genre) anscheinend auch noch ‘eigentlich langweilig’ sein soll. Eine Begründung oder eine Argumentation fehlt, hier wird von Beginn an gewertet. Aber halt, Objektivität ist gegeben, DENN:

 

„De Psycholog Peter Kagerer vun den “anonyme Glécksspiller” erkläert, wéini dës Spiller zu engem Problem ginn, a wat een dogéint ka maachen.“

 

Ein weiterer Absatz, mehr Fragen aufbringt als er zu beantworten vermag. „Der Psycholog Peter Kagerer“ wird aus dem Zauberhut gezogen wie ein orientierungsloses Karnickel. Welchen Titel trägt denn der Herr? Welche Universität hat dieser Herr besucht? Ist dies sein Fachbereich? Wieso sollte diesem Herrn zugehört werden und nicht anderen? Gibt es eine Gegendarstellung?

 

Diese Fragen werden offen gelassen, es grüßt am Ende nur noch ein Concept-Art des Online Spiels ‘World of Warcraft’. Die interessierte LeserIn könnte hier noch bemerken, dass es sich nicht um eine Spieleszene handelt, die dort gezeigt wird, was ein Anhaltspunkt für die Nähe des Textes zum Stoff sein könnte.

Unterm Strich bleibt bei diesem Text nicht viel gutes übrig, über die 4ième wäre die SchülerIn hier nicht hinaus gekommen, wurde doch klar das Thema (Wir erinnern uns, die ‘virtuellen Welten der Computerspiele’) verfehlt.

 

Einzig und Allein bleibt die Hoffnung, dass die angekündigte Sendung eine höhere Qualität aufweist als dieser Vorbote.