Battlefield 3 (X360, PS3, PC [Review])
Battlefield 3 (X360, PS3, PC [Review])
Lahme Ente…
Die Battlefield-Serie ist seit dem Erscheinen des ersten Ablegers im Jahr 2002 ein Garant für packende Online-Gefechte mit für die damaligen Verhältnisse sehr innovativen Features wie variierenden Klassen, Fahrzeugen und gewaltigen Spielfeldern. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch in dem Genre viel getan und andere Hersteller konnten mit ähnlichen Spieldesigns punkten. Der neue Spross der Battlefield-Serie, Battlefield 3, möchte nun dort ansetzen, wo die Ableger der Battlefield: Bad Company-Serie bereits gute Vorarbeit leisten konnten: Vorbei die Zeit, da ein Einzelspielerpart schmerzlich vermisst wurde.
Leider ist ausgerechnet dieser Part weiterhin stark verbesserungsbedürftig: Zwar gibt es wie bereits bei den Battlefield: Bad Company-Titeln eine ausgebaute Einzelspielerkampagne, diese schwächelt aber immer noch in der Umsetzung und Präsentation. Die Story wirkt sehr aufgesestzt und versucht offenbar durch Annäherung an die Erzählmethoden der Call of Duty-Serie auf deren Erfolgswelle mit zu schwimmen, ohne jedoch denselben Qualitätsstandard zu erreichen. Die Erzählung wirkt teils zusammenhangslos, nicht zuletzt weil es sich wie bei Call of Duty: Black Ops in einem Verhörsaal abspielt und bisweilen wild zwischen Geschehnissen gewechselt wird. Darüber hinaus ist kaum eine der Figuren wirklich glaubwürdig, wodurch der Titel enorm an Dramatik einbüßt. Die größtenteils schlecht gewählten Dialoge tun dazu ihr Übriges.
Auf das Gameplay haben diese Probleme selbstverständlich kaum einen Einfluss und hier kann der Titel auch durchaus einige Pluspunkte abstauben. Der Spielfluss gestaltet sich durchaus abwechslungsreich: Mal ist man als Fußsoldat in einer Einheit unterwegs, mal allein, mal steuert man einen Panzer oder sitzt in dem Schützenposten eines Kampfjets. Das Pacing ist ebenfalls gut gelungen, zwischen den hektischen Momenten des Kampfes gibt es immer wieder kurze Verschnaufpausen und stille Momente. Für Abwechslung ist also gesorgt, auch wenn einige Probleme den Gesamteindruck etwas trüben; Die Spielabschnitte sind teilweise zwar riesig, bieten aber dennoch kaum Freiheiten und bestrafen ein Abkommen vom vorgefertigten Pfad, Gegner werden konstant generiert und werfen sich dem Spieler in Wellen entgegen bis ein bestimmter Checkpoint erreicht wird und selbst Quick-Time-Events werden eingesetzt um Nahkämpfe zu simulieren.
All diese Designentscheidungen erinnern erneut stark an die Einzelspielerkampagnen der Call of Duty-Serie, erneut jedoch ohne denselben bombastischen Eindruck zu hinterlassen. Insgesamt kann man deshalb festhalten, dass der Einzelspielermodus von Battlefield 3 enttäuschend ausfällt – mit einer kurzen Spielzeit von knapp 5 Stunden, hanebüchener Story und seiner Effekthascherei schlägt er in dieselbe Bresche wie der Einzelspielermodus der Call of Duty-Serie, tritt jedoch in letzter Sekunde einen Schritt zurück und versucht krampfhaft einen Anspruch auf Realismus geltend zu machen. So kann es weder Realmismus noch Hollywood-kino für sich verbuchen, es ist keins von beiden und schafft es auch nicht, beides zugleich zu sein. Hier muss noch viel getan werden um an die Genrespitze heran zu kommen.
… oder wunderschöner Schwan?
Ein echtes Battlefield wäre jedoch nichts ohne seinen Mehrspielermodus und alle Zweifel an der Qualität des Spiels werden in ihren Grundfesten erschüttert sobald sich der Spieler auf eine der gewaltigen 64-Spieler-Karten begibt: Allein die enorme Größe lässt Kinnladen offen stehen und sorgt für erste ungläubige Blicke. Die bereits im Einzelspieler angedeutete Abwechslung kommt hier erst richtig zum Einsatz: Ob Kampfpanzer, Dünenbuggy, Kampfhubschrauber, Kampfjet oder Schlauchboot, der Fuhrpark ist riesig und auf jeder Karte abwechslungsreich wodurch sich jede Partie unterschiedlich spielt. Der Spieler kann frei entscheiden auf welche Art er den Verlauf der Schlacht beeinflussen will: Mal als Panzerkommandant, mal als Pilot, mal als unterstützende Infanterie, die Einsatzgebiete sind vielfältig. Die Gefechte spielen sich dadurch sehr taktisch und packend; Wer etwa als Pilot eines Transporthubschraubers sein Gefährt clever nutzt kann durch seinen Einsatz eine komplette Entsatztruppe im Krisengebiet absetzen und so einen Kampf entscheiden, ohne selbst einen einzigen Schuss abgegeben zu haben. Überhaupt liegt der Fokus stärker auf dem Teamfaktor, die aus alten Titeln bereits bekannten Dinge wie der Defibrillator und das Medipack wurden um einige nützliche Mechaniken ergänzt, etwa das Unterdrückungsfeuer und das aus Bad Company bekannte Spotting. Für alle dienlichen Aktionen hagelt es nun Punkte auf das Konto des Spielers, wodurch er im Rang aufsteigen kann.
Richtig, Ränge: Auch hier kann der Spieler Erfahrungspunkte sammeln, neue Schusswaffen und Ausrüstung freischalten und selbst einige nützliche Erweiterungen für die Fahrzeuge ergattern, etwa Rauchgranaten oder wärmesuchende Raketen. All diese Ränge, Erweiterungen und Boni sind dabei wunderbar abgestimmt: Wichtige Ausrüstung gibt es sehr früh, die Anforderungen zum Freischalten werden jedoch sukzessive höher wodurch zwar jedem Spieler ein faires Grundgerüst ermöglicht wird, spezielle Einsatzgebiete aber nur den wahren Meistern vorbehalten bleiben. Insbesondere die Luftfahrzeuge fallen unter diese Kategorie, da sie zwar leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern sind. Die vier Soldatenklassen spielen sich ebenfalls allesamt unterschiedlich und haben klar definierte Rollen: Der Sturmsoldat kümmert sich um den Kampf auf mittlerer Reichweite und versorgt die Teammitglieder mit Verbandskästen und Defibrillator. Der Pionier kann als einziges Teammitglied einen Raktenwerfer tragen wodurch ihm die Rolle der Panzerbekämpfung anheim fällt. Darüber hinaus kümmert er sich auch um die anfallenden Reparaturen an den eigenen Fahrzeugen, kann Minen verlegen und kann auf kurzer Reichweite ebenfalls mit seinem Karabiner gegen Infanterie glänzen. Ganz anders die Supportklasse: Mit leichten Maschinengewehren bewaffnet ist es seine Aufgabe, dem eigenen Team Unterstützungsfeuer zu geben und Munitionspäckchen zu verteilen. Seine Trägheit und seine geringe Präzision macht er durch schiere Feuerkraft wett. Der Aufklärer hingegen ist mit seinen Präzisionsgewehren eher für die große Reichweite und präzise Schüsse ausgelegt. Er profitiert darüber hinaus enorm von den Änderungen zugunsten des Teamplays: Da ein Aufklärungssoldat in der Regel eine gute Position einnehmen muss bevor er einen Schuss abgibt hat er oft einen Überblick über die Situation auf dem Schlachtfeld, sodass er Feindbewegungen markieren und an seine Teamkameraden weiter geben kann, wodurch auch Punkte für ihn anfallen.
Die Spielmodi gestalten sich auch abwechslungsreich, ohne dabei jedoch neue Gefilde zu erproben. Der bereits aus den alten Titeln der Serie bekannte Eroberungsmodus, das aus den Bad Company-Titeln dazu gestoßene Rush- und Squad-Rush gesellen sich hier zu einem Team-Deathmatch Modus. Insbendere der Eroberungsmodus ist besonders populär da hier das bespielbare Gebiet der Karten am größten und der Fuhrpark am unterschiedlichsten ist. Alle Modi sind frei konfigurierbar in Spieleranzahl und Ticketanzahl, sodass der Wiederspielwert beeindruckend ist. Insgesamt ist der Mehrspielerpart also mehr als zeitgemäß: Kein anderer Spieletitel kann mit einer ähnlichen Vielfalt und Größe aufwarten.
Technisch trumpft Battlefield 3 ebenfalls auf: Die Frostbite 2.0 – Engine kann mit zerstörbarem Gelände und hochaufgelösten Texturen, genialen Animationen und gewaltigen Karten aufwarten. Die Effektpalette ist riesig, kurzum: Es gibt momentan kaum Spieletitel, die besser aussehen. Auch die restliche technische Umsetzung ist auf hohem Niveau: Während Sprecher und Umgebungsgeräusche schon zu überzeugen wissen sind die Fahrzeug- und Waffengeräusche die heimlichen Stars des Spiels. Die Atmosphäre steht und fällt mit einer möglichst packenden Soundkulisse und Battlefield 3 hat es geschafft, die bereits beeindruckenden Sounds aus der Bad Company-Serie nochmals zu übertreffen. Alle Fahrzeuge und Waffen haben eine eigene Soundkulisse, es steckt also eine enorme Arbeit in dem Titel und das Resultat ist packend. Wer zudem in den Soundeinstellungen auf „War Tapes“ umstellt erhält eine noch realistischere Atmosphäre.
Selbstverständlich kommt diese brachiale Leistung mit einem Problem daher: Der Hardwarehunger des Titels ist gewaltig. Zwar läuft der Titel auch auf moderaten Systemen in mittleren Details ruckelfrei und zeigt sich bisweilen sogar sehr genügsam ohne direkt hässlich zu wirken, für die volle Packung muss man jedoch tief in die Trickkiste greifen und seinen Rechner mit einigen Pferdestärken ausstatten. An den Konsolen trifft dies natürlich nicht zu und es gelang offensichtlich auch hier ein sehr hübsches Gesamtbild abzuliefern, jedoch musste hier getrickst werden: So wurde die maximale Spieleranzahl leicht reduziert, auch ist es bei der X360 nötig den Titel auf die Festplatte der Konsole zu installieren um die Grafikeinstellungen hoch zu schrauben. Generell kann jedoch gesagt werden: Es ist möglich den Titel auch auf einem 500-Euro-Rechner zu spielen (und das wohl auch erfolgreich), für Enthusiasten muss aber tiefer in die Tasche gegriffen werden.




