Back to the Future: It’s about time (PC-reviewed, Mac, iPad, PS3)
Die beliebte “Zurück in die Zukunft”-Filmserie hat sich im Bereich der Spieleserien in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert: Allen voran die unsäglichen Versionen für das Nintendo Entertainment System waren Grund genug anzunehmen, dass keine Spieleschmiede mehr genug Mut aufbringen würde einen neuen Titel zu dieser vorbelasteten Serie zu produzieren. Nach einer langen Durststrecke sind es aber nun die Entwickler der beliebten Telltale Studios welche einen erneuten Schritt wagen. Anders als ältere Vertreter der Serie handelt es sich aber nicht um ein Jump and Run-Spiel, sondern um ein Telltale-typisches Point and Click-System.
Wenn meine Berechnungen korrekt sind, und dieses Baby fährt 140 Sachen, dann kannst du einen Superknüller erleben.
Nach einiger Entwicklungszeit ist nun endlich der erste Teil dieses insgesamt fünf Episoden umfassenden Spiels erschienen: Beim Kauf des Titels zahlt man sofort für das komplette Paket, auf die Veröffentlichung der restlichen vier Episoden muss aber noch gewartet werden. So gesehen anhand des angesetzten Preises ein durchaus faires Angebot, wenn man die durchschnittliche Spielzeit von zwei bis drei Stunden pro Episode hochrechnet. Demnach ist der Erwerb eine Investition in die Zukunft.
Immerhin gibt es schon angesetzte Veröffentlichungszeiträume: Innerhalb der nächsten drei Monate sollen bereits drei weitere Episoden freigeschaltet werden. Die Distribution verfolgt über das Internet, die Installationsdateien werden von der Herstellerseite oder über Drittanbieter wie STEAM heruntergeladen, gespielt wird nach einem Login mit den Kundendaten. Das alles dient dem Kopierschutz, sammelt keine persönlichen Daten und ist dabei keineswegs störend.
Wenn schon Zeitreisen, dann mit Stil
Eins vorweg: Die lange Wartezeit hat sich gelohnt. Die Erzählung setzt kurz nach den Geschehnissen des letzten Filmes an und erzählt eine völlig neue Geschichte, anstatt den Fehler eines “Spiels zum Film” zu begehen. Da es kein festes Filmscript gibt an das es sich zu halten gibt waren den Entwicklern bei der Rätsel- und Levelgestaltung sämtliche Freiheiten gesetzt: Marty McFly reist so in die dreissiger Jahre um seinen Freund, den schrulligen Erfinder Doc Brown aus einer misslichen Lage zu retten. Soviel sei verraten: Die Geschichte ist, wie von “Zurück in die Zukunft” gewohnt, sehr stark miteinander verwoben. Es tauchen, wie schon in den Filmen, ständig dieselben Figuren auf sobald man in der Zeit reist, running gags sind an der Tagesordnung und irgendwie scheint die Vergangenheit und Zukunft der Figuren auf ewig mit einander in Verbindung zu stehen – Es sind immer die selben Familien, die eine Rolle spielen: Die McFly’s und die Tannen-Familie.
Das Spiel setzt hier eine Art Fokus fort, der sich bereits in der Filmserie abzeichnete: Konzentrierte sich der erste Film noch völlig auf die Geschichte der McFly’s so rückte im zweiten Film der Biff-Charakter in den Vordergrund bevor es im letzten Film vorrangig um den Emmet Brown-Charakter geht. Das Spiel setzt hier an und erzählt nun auch einen Teil der Vorgeschichte von Doc Brown bevor dieser zum schrulligen Erfinder wurde. Es ist für Liebhaber der Serie eine Wohltat viele bekannte Gesichter in neuer Form kennen zu lernen und mehr über die Vergangenheit von Hill Valley zu erfahren.
“Also, alles Gute, um unser beider Willen. Wir sehn uns in der Zukunft!” “Sie meinen in der Vergangenheit!” “Präzise!”
Das Spiel setzt neben dem bekannten Setting wie bereits gesagt auch auf die der Serie eigenen Running-gags, ständig wird mit den Erwartungen des Spielers und dem typischen Bild einer amerikanischen Kleinstadt in der entsprechenden Zeitperiode gespielt. Das Ganze wird unterstützt von einem durchwegs ordentlichen Grafikmotor: Die ganze Welt wurde in einen leichten Comic-stil versetzt, ohne jedoch Markenzeichen wie den DeLorean oder den Rathausplatz der Stadt zu kurz kommen zu lassen. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet damit sich der Liebhaber gleich heimisch fühlt. Der Comic-stil wird am offensichtlichsten an den Figuren, deren Animationen nicht immer auf dem neusten Stand der Technik sind. Vor allem die mitzeiten kruden Gesichtsanimationen trüben den Eindruck ein wenig. Glücklicherweise ist dies nicht der Fokus des Spiels und so ist die mehr als ordentliche grafische Präsentation durchaus gelungen und ein nettes Schmankerl.
Auch die Vertonung darf getrost als großartig bezeichnet werden: So wurden neue Sprecher rekrutiert um die Originalsprecher bestmöglichst zu imitieren, da völlig neues Materiel aufgenommen werden musste. Das Resultat kann sich sehen lassen: Sämtliche Stimmen klingen sehr authentisch und passen zu den Figuren wie die Faust aufs Auge. Die teilweise urkomischen Dialoge tuen dazu ihr Übriges. Der Rest der Vertonung hat es auch in sich: Die obligatorische Instrumentalmusik gesellt sich zu netten Sounds und sorgt so für ein mitreissendes Spielerlebnis.
Wir schicken dich zurück…, zurück in die Zukunft!
Bleibt noch die Frage nach den Rätseln zu klären; In jedem Point and Click-Spiel sind sie der Dreh- und Angelpunkt des Erfolges. Auch hier kann das Spiel durchaus überzeugen, auch wenn es (wohl auch aufgrund der beschnittenen Länge) mit dem Schwierigkeitsgrad ein wenig hapert: Die Rätsel sind durchdacht und machen auch durchaus Sinn, seltsam anmutende Rätsel wie etwa das unsägliche Ballon-Rätsel in Monkey Island 3 lassen sich keine finden. Alle Rätsel sind mit ein wenig Denkvermögen logisch erschliessbar. Hierbei helfen auch Hilfsmittel aus dem Inventar wie ein Kasettenrekorder oder ein Damenschuh – Ständig muss auch mit anderen Figuren interagiert werden, um mehr über die Umgebung zu erfahren und etwaige Tipps zu erhalten oder auch um gemeinsam ein Rätsel zu lösen. Wer dann dennoch nicht weiter weiss, dem hilft ein gut funktionierendes Hinweissystem, welches einem mit hilfreichen Lösungsvorschlägen unter die Arme greift.
Gesteuert wird das Spiel mit einer Kombination aus Maus und Tastatur, wobei die Tastatur zur Bewegung genutzt wird um die Maus zur Interaktion frei zu haben. Damit fällt die traditionelle Bewegung per Mausklick weg, was aber in einer 3D-Umgebung maßgeblich besser funktionniert. Für eingesessene Adventure-Fans stellt es sicher eine Umstellung dar, im Endeffekt navigiert es sich aber sicher einfacher per Tastatur durch die dreidimensionale Welt. Es gibt dazu ebenfalls noch die Möglichkeit sich per Maus zu bewegen indem man beide Maustasten gleichzeitig betätigt. In dem Falle bewegt sich der Charakter in eine Richtung die von der Ausrichtung der Maus vorgegeben ist. Alles in Allem bedeutet die Steuerung für “alte Hasen” sicherlich eine kleine Umstellung, das Gesamtbild ist aber durchwegs positiv. Telltale-Veteranen kennen die Steuerung bereits aus anderen Titeln wie der Tales of Monkey Island-Serie, Sam and Max oder auch Wallace and Gromit.
Wie gesagt kann eigentlich, wenn überhaupt, nur das Fehlen von echten Herausforderungen an Rätsel-Profis als Problem genannt werden. Hier hätte ein zweiter, bissigerer Schwierigkeitsgrad dem Spiel gut getan. Ansonsten gibt es wenig zu bemängeln, abgesehen von einigen wenigen Grafikbugs (sich bewegende Münder, obwohl nicht gesprochen wird) und einem leicht irreführenden Speichersystem. An die anfänglich vielleicht etwas fummelige Steuerung gewöhnt man sich doch recht schnell und so stellt sie kein größeres Problem dar. Wer also ein Liebhaber der Filmserie oder Liebhaber des Point and Click Adventure-Genres und momentan auf der Suche nach einem netten Zeitvertreib ist dem kann dieser Titel nur ans Herz gelegt werden. Der Preis von knapp 19 Euro ist mehr als angebracht.
(Gespielt wurde die Version der offiziellen Website http://www.telltalegames.com/ . Erhältlich ist es auch via STEAM)




